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Tully Castle

Die Ruine des Tully Castle.



Tully Castle liegt in einer atemberaubenden Landschaft an den Ufern des Lower Lough Erne. Es befindet sich nur ein paar Kilometer nördlich von Derrygonnellyare. Genau genommen ist Tully Castle keine Burg, es ist eigentlich ein geschützter Wohnsitz oder ein „Stronghouse“ (eine Festung). Dieses war zu der Zeit der „Plantation of Ulster“ (Ansiedlung von Ulster) von den wohlhabenden Siedlern die allgemeine Art und Weise, einen Wohnsitz zu bauen. (Als Plantation (englisch „Pflanzung“, „Ansiedlung“) werden in Irland historische Maßnahmen Englands bezeichnet, die die Ansiedlung englischer oder schottischer Einwanderer in Irland zum Ziel hatten). Allgemein versteht man unter einem „Stronghouse“ einen Ort, der hauptsächlich dem Lebensunterhalt diente, während die Verteidigung eher zweitrangig war. Bei einem Castle ist es eher umgekehrt der Fall. Da stand die Verteidigung an erster Stelle und der Lebensunterhalt war zweitrangig.

Auf den ersten Blick wirkt Tully Castle auf einen, wie eines der vielen dachlosen Gebäuden von Irland, aber das Bauwerk hat einige schöne architektonische Besonderheiten und eine kurze, aber doch heftige Geschichte.

Der Bau von Tully Castle begann 1612, zwei Jahre nachdem Grundstücke in der Grafschaft Fermanagh an Sir John Hume vergeben worden waren. Drei Jahre später, also im Jahr 1615, war das Anwesen fertig.

Die Ruine des Tully Castle mit dem Garten im Renaissancestil.

Das „Stronghouse“ wurde in erster Hinsicht gebaut, um für die Einwohner eine angenehme Wohnsituation bieten zu können. Sir John Hume sorgte dafür, dass sich seine Familie in den dreistöckigem Gebäude zu Hause fühlte, in dem er das Gebäude in einer T-Form bauen ließ, die eher einzigartig in Irland war. Diese T-Form war zwar eher einzigartig in Irland, sie war aber die allgemeine Bauform in dem schottischen „Lowland“ (Tiefland).

Der neu angelegte Garten mit seinen niedrigen Buchsbaumhecken vin Tully Castle.

Die Fenster sorgten für eine ausgezeichnete Aussicht über den Lower Lough Erne und dem Kräutergarten im Renaissancestil. Besonders im Frühling und im Sommer bildet der erst kürzlich neu angelegte Garten mit seinen niedrigen Buchsbaumhecken einen krassen Kontrast zu dem, zur Ruine verfallenen, Gebäude dahinter.

Trotz seiner Bemühungen, seiner Familie ein schönes Heim zu bieten, hatte Sir John Hume die Kenntnis, dass die Grafschaft Fermanagh zu Beginn des 17. Jahrhunderts für die schottischen Siedler nicht gerade ein schöner Ort zum Leben war.

Um das Anwesen zu schützen, war es durch einen so genannten „Bawn“ (befestigten Schlosshof), der aus Steinen und Kalk bestand, umgeben.

In Hinsicht auf die Stärke konnte man einen „Bawn“ zwischen einer Gartenmauer, die nur den impulsiv handelnden Dieb fern halten sollte und einer Ringmauer, die einer Armee wieder stehen konnte, einordnen. Der befestigte Schlosshof von Tully war mit Türmen ausgestattet, aber laut historischen Quellen dienten die Türme dem Personal als Unterkunft.



Das Modell von Tully Castle.



Das Hauptgebäude selbst erhielt ebenfalls bauliche Veränderungen, die der Verteidigung dienen sollten. So waren hier zum Beispiel vorstehende „Turrets“ (Türme) zu finden und der Mangel an Fenstern im Erdgeschoß deutet ebenfalls darauf hin.

Ein vorstehender Turret von Tully Castle.

Aus architektonischer Sicht gesehen ist es bemerkenswert, dass die eingeflossenen schottischen Besonderheiten, wie die T-Form des Gebäudes und die „Turrets“ (Türme) in einer typischen irischen Art und Weise bearbeitet wurden. Das heutzutage leider verschwundene Stroh gedeckte Dach war zum Beispiel ein irisches Merkmal, genauso wie die glatte Ausführung der „Turrets“. Es ist unbekannt, ob diese irische Note von Hume selbst oder von den irischen Arbeitern gestaltet wurde.

Wie üblich zog solch ein Anwesen wie Tully die Menschen an, die hier nach Arbeit suchten und so entstand nicht weit vom „Stronghouse“ entfernt eine kleine Ortschaft. Der Ort, der ungefähr 24, in erster Linie schottische, Familien umfasste, wurde gut dokumentiert, aber nichtsdestotrotz ist seine genaue Position unbekannt, da er während des Aufstandes von Ulster völlig ausradiert wurde.

Das zugemauerte Fenster mit kleinem Loch von Tully Castle.

Sir John Hume starb 1639 und es wird angenommen, dass sein Sohn und Nachfolger, Sir George Hume, einige Verbesserungen vornahm. Nicht eine von diesen Veränderungen ist beachtlicher als ein zugemauertes Fenster in der südwestlichen Ecke von Tully Castle. Das kleine Loch in der Verrammelung ist wahrscheinlich eine Öffnung für Musketen. Das Fenster könnte also möglicherweise in Erwartung auf den Horror, der Tully Castle am Heiligen Abend des Jahres 1641 heimsuchen sollte, verschlossen worden sein.

Im Oktober 1641 löste Owen Roe O’Neill die „Ulster Rebellion“ (den Aufstand von Ulster) aus. Während der ersten Monate der Rebellion bewiesen die Iren, dass auch sie sich beschämend zur Schau stellen konnten. Das berühmteste Beispiel für ihr schlechtes Benehmen war das Ertränken von mehr als hundert Flüchtlingen im Fluss Bann in der Nähe von Portadown. Alarmiert durch die Berichte darüber, bereitete sich die protestantische Bevölkerung auf das Schlimmste vor, ein Beispiel dafür ist sicherlich das zugemauerte Fenster von Tully Castle.

Lady Hume bemerkte jedoch, dass die Verteidigungsstrukturen von Tully Castle unzulänglich waren und so wurde das „Stronghouse“ an Rory Maguire unter der Bedingung übergeben, dass die einheimischen protestantischen Bewohner des Ortes, die in Tully Castle Zuflucht gesucht hatten, sicher abziehen durften.

Maguire stimmte diesen Bedingungen zu, aber sobald er die Kontrolle über Tully Castle erlangt hatte, entledigte er alle Einwohner mit Ausnahme von Lady Hume ihrer gesamten Kleidung. Die Frauen und die Kinder wurden in die Keller gesperrt und die Männer wurden, an Händen und Füßen gefesselt, in den Schlosshof geworfen, in dem sie die kalte Dezembernacht verbringen mussten.

Die Ruine von Tully Castle.

Am nächsten Tag, am Weihnachtstag, wurden alle Männer, Frauen und Kinder, wieder mit Ausnahme von den Hume’s, getötet. Nach der Abschlachtung von ungefähr 80 bis 90 Zivilisten, plünderten die Rebellen Tully Castle und rissen es danach nieder.

So wurde das „Stronghouse“, das den Einwohnern als ein schönes Heim dienen sollte, ein Ort des Horrors. Obwohl Tully Castle nur 30 Jahre lang bewohnt gewesen war, wurde es nie wieder aufgebaut.

Das Ertränken der Flüchtlinge bei Portadown und das Massaker von Tully Castle hinterließen tiefe Eindrücke in den gesammelten Erinnerungen. Diese Gefühle tauchten in dem 1688 so genannten „Comber Letter“ auf, welcher wiederum die Schließung der Tore von Derry durch Lehrlinge am 7. Dezember (laut dem korrigierten Kalender am 16. Dezember) 1688 auslöste.

Durch die Beschreibung von einigen architektonischen Besonderheiten und der Geschichte, hoffen wir, dass wir den Eindruck, dass Tully eines-von-diesen-dachlosen-Gebäuden ist, verwischen konnten.

Der Ort ist an jedem Tag im Jahr geöffnet. Seltsamerweise wird während der Hochsaison ein Eintrittspreis erhoben, aber ansonsten kann man überall herein und hinaus laufen, wie man will.




Tully Castle



Quelle: http://www.vincentpeters.nl/triskelle/attractions/tullycastle.php?index=100.040.008.060.030; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga