Shannon - Erne - Info

Devenish Island

Irland war einst von den Berggipfeln bis zu den Ufern der Seen sehr stark bewaldet. Der Wald bestand aus Eichen, Erlen, Eschen, Birken, Ulmen, Haselnusssträuchern, Weiden und anderen einheimischen Baumarten. Nur das Wasser der Seen und der Flüsse unterbrach die dichten Wälder.

Ungefähr vor 6.000 Jahren fingen die Farmer an, die Wälder zu roden, um Felder anzulegen und um Häuser und Schutzräume zu bauen. Der Prozess der Waldrodung für Weideland und Ackerflächen ging weiter, da die Bevölkerung wuchs und die Farmen größer wurden. Die Landschaft war zu diesem Zeitpunkt immer noch stärker bewaldet als heute.

Es gab eine lange Zeit lang weder Zäune noch Hecken in der irischen Landschaft und umschlossene Felder kannte man nicht. Es war die normale irische Praxis, die gepflügten Felder und die Felder mit Saaten mit einer vorübergehenden Hecke zu umgeben, die aus Zweigen und anderen Hölzern bestand. Nach der Saat wurde dann das Holz zur Befeuerung in den Wintermonaten benutzt.

Beinahe alle kirchlichen Orte, welche zu bedeuteten Klostern heranwuchsen, wie auch Devenish, wurden an leicht zugänglichen Orten gebaut.

Durch die stark bewaldete Landschaft dienten die Wasserwege als Straßen und Devenish befand sich an einer der „Hauptstraßen“ von Irland. Devenish lag an dem 52 Meilen langen, komplett schiffbaren Wasserweg vom Upper und Lower Lough Erne. Dadurch lag die Insel auch sehr nah am Flusssystem des Shannons, so dass es möglich war, auch zur südwestlichen Küste zu reisen.

Die Transporte mit dem Boot waren sehr viel einfacher als die Transporte über Land.

Devenish bestand einst aus zwei Inseln, die durch eine seichte Bucht getrennt waren. Diese versandete allmählich. Auf der ersten Karte von Irland, die 1609 gezeichnet wurde, wurde Devenish schon als eine Insel dargestellt.


St. Molaise, das Leben eines Heiligen

St. Molaise, der Gründer von Devenish, hatte mit St. Finnian in der Klosterschule von Clonard in der Grafschaft Meath studiert.

Es geht die Geschichte, dass Maedoc, der spätere Bischof von Ferns, zusammen mit Molaise unter zwei Bäumen saß und die göttliche Führung über die Zukunft suchte. Sie hofften auf ein Zeichen von Gott, als der Baum von Maedoc nach Süden fiel und der Baum von Molaise nach Norden. Maedoc ging so in die Grafschaft Wexford und Molaise ging in den Norden nach Devenish.

Molaise entstammte einem königlichen Stammbaum. Sein Vater war Nadfraech und war der siebte Nachkomme des Königs von Ulaidh. Seine Mutter stammte aus der königlichen Familie von Tara. Es ist schriftlich belegt, dass St. Patrick seine Geburt 60 Jahre vor dem Ereignis vorhersagte.

Molaise überwachte den Bau der ersten hölzernen Kirche von Devenish und die Errichtung des ersten frühen Klosters.

Molaise war auch damit einverstanden, als Schiedsrichter bei Zwisten unter den Prinzen von Ulster zu dienen.

Die Annalen beschreiben später „Devenish of the Assemblies“ (Devenish der Versammlungen) als einen Ort, wo regelmäßig die Besprechungen der Häuptlinge von Ulster stattfanden.

Devenish wurde zum Mittelpunkt für die Pilgerfahrt, als Tausende von Menschen die Insel am 12. September besuchten, um den Festtag von St. Molaise zu begehen.


Das frühe Kloster

St. Molaise gründete das Kloster auf Devenish im 6. Jahrhundert. Obwohl keines der Gebäude von dem früheren Kloster die Jahre überstand, können wir uns heute durch archäologische Beweise von Devenish und anderen Orten vorstellen, wie es einmal ausgesehen hat.

Viele der frühen Klöster befanden sich innerhalb einer Einfriedung. Auf Devenish gibt es Beweise für eine große halbrunde Einfriedung. Diese Einfriedung war die Grenze dieses Ortes, der als heilig angesehen wurde, aber sie kann auch als Verteidigungsbarriere gedient haben.


So könnte das ehemalige Kloster einmal ausgesehen haben.


Die Kirche

Der Schwerpunkt des Klosters war die Kirche, die vollkommen aus Holz gebaut war, da dies die traditionelle irische Methode dieser Zeit war.

Ein weiteres wichtiges Gebäude war das Gästehaus, denn es gehörte zu den Pflichten der Christen, sich um Reisende zu kümmern.

Eine frühe Klosterregel ordnete an:

„Ein sauberes Haus für Gäste und ein großes Feuer, sie zu waschen und zu baden, und eine Liegestatt ohne Kummer (ein gutes Bett)…“

Andere Gebäude, die von dem frühen Kloster gegründet wurden, beinhalteten Refektorien, Kornspeicher, Werkstätten, Möglichkeiten zum Schreiben und Unterkünfte für die Mönche und die Laienarbeiter.


Das Kloster in Flammen

Klöster wurden bei vielen Gelegenheiten überfallen. Zwischen 612 und 792 ist in den Annalen schriftlich belegt, dass bei 30 Gelegenheiten irische Klöster brannten. Das in Brand stecken der Kirchen auf den befeindeten Gebieten schien ein wesentlicher Bestandteil der Kriegsführung zu sein. Da sowohl der wirtschaftliche Wohlstand der Klöster als auch die politische Macht immer weiter wuchs, war es der Wunsch der irischen Könige, die Klöster zu beherrschen und ihre Familienmitglieder in die wichtigen kirchlichen Ämter zu platzieren. Die Erfüllung dieses Wunsches verursachte die meisten Angriffe auf die Klöster.

In den Annalen ist schriftlich belegt, dass:

„Devenish 873 und 923 von einer Flotte von Fremden (Wikingern) überfallen wurde, die auf dem Lough Erne ihr Unwesen trieben und die Inseln des Sees und das Gebiet um sie herum plünderten und dass sie im folgenden Sommer wieder wegfuhren.“

Die Annalen berichten auch, dass die Kirchen von Devenish 1157 und noch einmal 1360 brannten. Im Jahre 1167 gab es ein weiteres Feuer während eines lokalen Kampfes des einheimischen Herrscherhauses, bei dem ein Sohn des lokalen Königs getötet wurde.

„Domnall, Sohn von Amhlaoibh O Maoil Ruanaidh, der König von fir Mhanach (Fermanagh), wurde durch seine eigenen Verwandten im Rundturm von Daimhinis verbrannt.“


Das mittelalterliche Kloster 1157-1449

Bis zu dem 12. Jahrhundert war Devenish eine große, wichtige und aktive Gemeinschaft. Die Steinkirchen St. Molaise’s House, Teampull Mór und die verschwundene Kirche wurden gebaut und ein Rundturm errichtet.

Der Bau der neuen Kirchen mit komplizierten, aus Stein gehauenen Türen, Fenstern und anderen aus Stein gehauenen Einzelheiten erforderte eine Mannschaft von sachkundigen Handwerkern. Ein beträchtliches Kloster wie Devenish hatte seine eigenen Steinmetze, Bauhandwerker, Zimmermänner und Wartungsmonteure. Es war eine geschäftige und aufregende Zeit auf der Insel, auch das tägliche religiöse Leben ging weiter, Seite an Seite mit der Bebauung, der Hingabe zu den Gebeten, der Buße und des Lernens, der Haushaltführung, dem Aufenthalt von Reisenden in den Gebäuden, der Versorgung der Kranken und die Führung des Landes, des Lagers und der Gärten.


Die Kirchen von Devenish

Die verlorene romanische Kirche

Vierzig Fragmente aus Stein, die zu einer schönen Kirche gehörten, einige davon sind verziert, wurden auf Devenish gefunden. Diese Kirche hatte eine verzierte Tür und ein Gewölbe über dem Altarraum. Es wird vermutet, dass die Kirche 1157 nach dem Feuer gebaut wurde oder vielleicht in den 1160er Jahren.

Auch Geistliche des Augustinerordens hielten sich auf Devenish auf. Die ersten sicheren Hinweise darauf stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die Hauptentwicklung der Häuser des Augustinerordens ging in Irland jedoch schon seit den 1140er Jahren voran. Es liegt nahe, dass die verschwundene Kirche möglicherweise eine frühere Gründung eines Augustinerordens auf Devenish war.

Die Kirche war möglicherweise auch eine frühere „Teampull Mór“ (große Kirche). Oder vielleicht war sie auch eine andere Kirche, die sich nicht am Ort der jetzt noch bestehenden Kirchen befand. Man weiß genau, dass die frühen kirchlichen Gebiete über verschiedene Kirchen verfügten, so könnte es auch möglich sein, dass die Fundamente dieser frühen Kirche unter unseren Füßen verborgen liegt.


„St. Molaise’s House“ (das Haus von St. Molaise)

Die Ruine von „St. Molaise’s House“ (das Haus von St. Molaise).

Diese kleine Kirche war nicht für eine große Kirchengemeinde bestellt.

Es war der Ort für kleine Mönchsgruppen, die hier ihre Amtsstube unterhielten und die hier ihre täglichen Gebete abhielten. Der Gebrauch des Wortes „House“ (Haus) in dem Namen der Kirche deutet darauf hin, dass die Kirche möglicherweise die Relikte von St. Molaise, dem heiligen Gründer, enthielt.

Die steinerne Kirche wurde vermutlich gebaut, nachdem eine „außerordentlich verehrte hölzerne Kirche“ dem Feuer von 1157 zum Opfer fiel.

Der Bau der Kirche benötigte eine große Menge an Arbeit und Handwerklichkeit, besonders das Dach, da hier jeder Stein in die Form von Dachziegeln gehauen und auf den unteren Stein gesetzt werden musste.

Die Steinmetze hatten den Ecksteinen der Kirche schöne Verzierungen im romanischen Stil hinzugefügt, das deutet darauf hin, dass die Kirche im 12. Jahrhundert gebaut wurde.





Zeichnungen von „St. Molaise’s House“
Zeichnung eines Ecksteines von „St. Molaise’s House“ Zeichnung vom Inneren von „St. Molaise’s House“ Zeichnung von „St. Molaise’s House“


„Teampull Mór“

Die Ruine von „Teampull More“ (der großen Kirche).

Die Ruine dieser kunstvollen Kirche, „Teampull Mór“ (The Great Church - die Große Kirche), diente als Gemeindekirche und als eine Kapelle der Culdeer.

Die Culdeer (von Céli Dé - Vasallen des Gottes) führten im frühen 8. Jahrhundert eine Reihe von strikten Reformen in die irische Kirche ein.

Sie lebten meist neben einer mehr konventionellen Klostergemeinde ein abgeschiedenes und enthaltsames Leben. Später wurden sie weltliche Priester, die die Pflichten von kirchlichen Geistlichen ausübten.

Sie bauten den Wohnanbau auf den ursprünglichen Fundamenten der Kirche.











Zeichnungen von „Teampull Mór“
So könnte „Teampull Mór“ einmal ausgesehen haben Die Komplettübersicht über die Ruine von „Teampull Mór“


„Round Tower“ der Rundturm

Die Zeichnung vom Innern des „Round Tower“ (Rundturms).

Der Turm von Devenish ist einer der schönsten von Irland. Seine Raffinesse spiegelt den Reichtum und das Prestige des Klosters wieder.

Die Köpfe, gleich unter dem Haubendach, wurden im romanischen Stil in Stein gehauen und man glaubt, dass sie folgende Heilige darstellen sollen: Molaise, Patrick, Columba (Columkille) und Brigid.

Die Zeichnung der Köpfe vom „Round Tower“ (Rundturm).

Der Rundturm wurde als Glockenturm entworfen. Die Glocke sollte die Mönche zu ihren täglichen Zyklus der Gebete, Psalmen und Hymnen rufen, die den Tag über von Tagesanbruch bis in die Abenddämmerung hinein in Intervallen abgehalten wurden.

Die Überreste des zweiten „Round Tower“ (Rundturms).

Relikte und Wertgegenstände wurden im Turm aufbewahrt. Das Klingeln der Turmglocke könnte auch zu Ritualen gehört haben. Die Türme waren auch heilige Plätze sein und folglich waren auch gelegentlich Altare in ihrem Inneren.

Die Rundtürme wurden auch im Notfällen gebraucht, um die Kleinodien zu schützen und manchmal auch die Menschen.

Während eines Verteidigungsfalles waren die Rundtürme als Zufluchtsstätte sehr gut geeignet, da sich ihre Eingangstüren auf einem höheren Level befanden, so dass der Zugang in die Türme sehr schwer war.

1976 wurden bei archäologischen Arbeiten die Fundamente eines zweiten Rundturms entdeckt, in dem möglicherweise Domnall, Sohn von Amhlaoibh O Maoil Ruanaidh, der König von fir Mhanach (Fermanagh), starb.



Der „Round Tower“ (Rundturm).


Die Wirtschaftlichkeit des Klosters – Das Leben im Kloster

Mönche bei der Feldarbeit.

Klöster waren selbstständig und dadurch waren sie von ihrer eigenen Lebensmittelproduktion abhängig, um sowohl die Mönche als auch die Laienbrüder zu versorgen.

Im Kloster bestand die Grundernährung der Mönche meistens aus vegetarische Suppen, die mit Brot gegessen wurden und Ale (dunkles Bier), das dazu getrunken wurde.

Das Vieh war ein wichtiger Bestandteil in der irischen Wirtschaft und so wurden Milchprodukte jeden Tag gegessen. Fleisch und Fisch gab es allerdings nur wenig.

Der Garten war ein wichtiger Aspekt im klösterlichen Leben und er wurde als ein Sondergebiet der Arbeit betrachtet. Für Mönche war die Gartenarbeit eine spirituelle Arbeit, da sie glaubten, dass sie durch die Gartenarbeit eine engere Beziehung zu Gott eingehen konnten und dass sie so den Ungehorsam von Adam und Eva im Garten Eden ausgleichen konnten.

Der Garten befand sich innerhalb der äußeren Mauern des Klosters. Die Umrandung des Gartens bestand zum Beispiel aus Zäunen, Mauern, Hecken oder Dämmen. Die Mönche pflanzten Blumen für die Kirche, medizinische Kräuter, Küchenkräuter und Gemüse an. Obstgärten wurden angelegt, in denen Apfel- und Pflaumenbäume wuchsen, manchmal gab es hier auch Birnen- und Zwetschgenbäume.

Der Ehrwürdige Bede schrieb im 8. Jahrhundert, dass es in Irland „kein Mangel an Weinen“ gab.

Da Wein regelmäßig für die Feier des Sakramentes benötigt wurde, ist es wahrscheinlich, dass in den frühen irischen Klöstern für die Weinherstellung Weintrauben angepflanzt wurden.

Durch die Herstellung ihrer eigenen Lebensmittel unterhielten die Klöster höchst effiziente Systeme für die Bodenbearbeitung mit Blick auf die Handhabung der Gartenbaukunst, des Ackerbaus und der Bewirtschaftung der Wälder.


Künste und Wissen

Die Klöster spielten eine große Rolle als Förderer der Künste. Künstler wurden beschäftigt, um Kirchenbücher zu schmücken und um Manuskripte zu illustrieren.

Steinmetze verwendeten ihre Kunstfertigkeit dazu, die Kirchen zu verzieren, Grabplatten zu gestalten und aufwendige Kreuze aus Stein zu hauen.

Die Metallkunsthandwerker fertigten wunderschöne Objekte für die Kirchen an, wie Abendmahlkelche, Lampen, Handglocken, Schreine und wahrscheinlich noch andere, mehr utilitaristische Objekte.

„The Soiscel Molaise“ (der Buchschrein von Saint Molaise) aus dem frühen 11. Jahrhundert ist ein Transportbehälter für ein Manuskript, dem Evangeliumsbuch von St. Molaise. Der Buchschrein ist ein rechteckiger Kasten aus Bronze, der im 8. Jahrhundert angefertigt wurde und der im 11. Jahrhundert auf Anweisung von Cennfaelad mit Platten aus vergoldetem Silber geschmückt wurde. Cennfaelad war von 1001 bis 1025 der Abt von Devenish.

Der Lough Erne Schrein wurde entworfen, um die kostbaren Relikte leichter transportieren zu können. Er kam im 9. Jahrhundert in die Schatzkammer des Klosters. Der Kasten, der aus Eibenholz angefertigt und mit Platten aus Bronze geschmückt wurde, wurde in der Form eines Hauses beziehungsweise einer frühen Kirche entworfen, allerdings mit versessenen Giebeln.

Im Kloster gab es eine große Tradition für die Wissenschaften.

Die Mönche verbrachten sehr viel Zeit damit, Kommentare in die Schriften zu schreiben, heilige und nichtkirchliche Manuskripte zu kopieren, die Bücher und Gebete zu pflegen, die Geschichte der Heiligen, die Gesetzgebung der Kirche und die Ereignisse in einem Buch niederzuschreiben, das wir heute „Annals“ (Annalen) nennen.

Hier wurde Latein und Schreiben gelehrt und Schüler von einheimischen oder hochrangigen Familien wurden in dem Kloster unterrichtet.

In ganz Europa waren die kirchlichen Schulen von Irland bekannt. Vom 6. Jahrhundert ab bis zum 8. Jahrhundert waren die irischen Klöster berühmt dafür, Zentren des Lernens zu sein und viele überseeische Studenten fühlten sich zu ihnen hingezogen. Gewöhnlich studierten die irischen Kleriker in Irland, auch wenn einige von ihnen zum Studieren ins Ausland gingen. Wir wissen, dass Pierse Maguire, der Bischof von Clogher, 1433 nach Oxford ging, um dort für drei Jahre das Kirchen- und das weltliche Recht zu studieren, nachdem er schon in einer einheimischen Schule sieben Jahre lang studiert hatte.


Das tägliche, klösterliche Leben – Das Leben der klösterlichen Gemeinschaft auf Devenish

Die klösterliche Gemeinschaft auf Devenish widmete ihr Leben ganz den Gebeten, der Buße und des Lernens. Es gab in den Klöstern eine große Tradition für die Wissenschaften einher mit dem Kopieren von Schriften, den Leben der Heiligen, den Kirchengesetzen und den Annalen.

Der klösterliche Tag drehte sich um einen Stundenplan der Gebete, der unter dem Begriff „Canonical Hours“ (Stundengebete) bekannt wurde. Die Gebete fingen vor der Morgendämmerung mit „Matins“ (Matutin = Mette, Morgengebet um Mitternacht) und „Lauds“ (Laudes = Lobgebet am tatsächlichen Morgen) an. Während des Morgens folgten dann „Prime“ (Prim = Gebet zur ersten Stunde (Arbeitsbeginn)) und „Tierce“ (Terz = Gebet zur dritten Stunde). Am frühen Nachmittag schließen sich dann „Sext“ (Sext = Gebet zur sechsten Stunde) und „None“ (Non = Gebet zur neunten Stunde) an und am späten Nachmittag kamen dann „Vespers“ (Vesper = Abendgebet zum Abschluss des Arbeitstages) und „Compline“ (Komplet = Vollendung, das eigentliche Nachtgebet). Zwischen „Prime“ und „Tierce“ fand die erste Messe des Tages statt und zwischen „Tierce“ und „Sext“ die zweite und bedeutendere Messe.

Das Interesse der Mönche für die Einhaltung der Zeit führte dazu, dass Uhren erfunden und verbreitet wurden. Im 14. bis zum 15. Jahrhundert wurden die ersten mechanischen Uhren in Kirchen und Klöstern alltäglich, denn die Mönche waren von den Uhren abhängig, die ihnen erzählten, wann sie die Glocken für die regelmäßigen Gebete der Kirche zu läuten hatten.


St. Mary’s - Die Konstruktion der Augustiner Abbey

Das war wirklich eine sehr geschäftige Zeit auf der Insel. Der Bau einer „Abbey“ (Abtei) war sehr teuer, denn die Steine mussten gehauen und mit dem Boot vom Festland zur Insel gebracht werden. Häufig wurden Schablonen zum Steinbruch geschickt, damit die Steinmetze den Stein auf dem Festland schon schneiden und formen konnten und einmal auf der Insel angekommen, wurden die Steine durch die Steinmetze dann weiterbearbeitet. Diese Steinmetze oder Maurermeister waren üblicherweise die Architekten. Sie hatten auch eine leitende Rolle in einem großen und abwechslungsreichen Team aus Bauleuten, zu denen Steinmetze, Zimmermänner, Stuckateure, Maler, Glaser, Metallfacharbeiter, Dachdecker und ungelernte Arbeiter gehörten.

Von diesem wunderschönen, aus Stein geschnitzten Kopf einer Frau, der sich oberhalb des westlichen Zugangs von der Abbey befindet, glaubt man, dass er die Jungfrau Maria darstellen soll. Der Frauenkopf, den man hier sieht, ist eine Nachbildung. Das Original befindet sich in dem „Interpretive Centre“ (Informationszentrum).



Der Plan eines mittelalterlichen Klosters spiegelt die Trennung der klösterlichen Gemeinschaft von der weltlichen Gemeinschaft wieder. Es wurde um einen innen liegenden Hof beziehungsweise Kreuzgang angelegt. Das Kloster wurde so geplant und gebaut, um ein Umfeld für die Feier der kirchlichen Bräuche zu schaffen.

Die Ruinen des Klosters, die man heute noch sieht, spiegeln diesen verbreiteten Plan eines Klosters wieder. Der Hauptteil der Kirche ist in zwei Hälften geteilt. Der Bereich im Osten dient zur Feier der Eucharistie (des Abendmahls) und der Bereich im westlichen Ende ist für die Kirchengemeinde bestimmt.


Eine Zeichnung der Ruinen der Augustiner Priorei St. Mary auf Devenish Island.


Andere Teile der Abtei sind das Gästehaus, das Refektorium (Speisesaal), der Kapitelsaal (Besprechungszimmer). Im ersten Stock befand sich der Schlafsaal zusammen mit einem Zugang zur Pfarramtstür und Kirche durch die Sakristei hindurch (für die Lagerung von Gottesdienstzubehör).


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1. Hier links vom Turm die Überreste des Chors 2. Hier links vom Turm die Überreste des Hauptschiffes
Leider kein Bild mehr möglich
3. Der Schlafsaal ist leider nicht mehr vorhanden 4. Rechts unten die Überreste des Kapitelsaales
5. Die Überreste des Refektoriums 6. Die Überreste des Gästehauses, leider nur noch die untersten Mauersteine vorhanden
7. Die Überreste des Kreuzganges 8. Die Überreste der Sakristei


Die Augustiner – Die sich im 11. Jahrhundert abzeichnende Rolle des St. Augustins

Auf dem Kontinent dienten Gruppen von Geistlichen den Hauptkirchen. Sie befanden sich eigens in einem geregelten Mönchsorden. Dieser lebte nach den Regeln, die sich auf Schriften des St. Augustin gründeten.

Die Regeln von St. Augustin waren auch das Hauptglied, um das religiöse Leben in Europa zu reformieren. Die Reform bot ein flexibles Model eines klösterlichen Lebens, das sehr geregelt war. Innerhalb des Klosters richtete sie sich nach einer Regelmäßigkeit aus besinnlichem Leben und Arbeit. Die Reform stellte aber auch die Seelsorge für die Gemeinschaft sicher.

Es könnte zu dieser Zeit gewesen sein, dass sich die ältere Klostergründung auf Devenish Island zu einem Haus des Augustinerordens entwickelt hatte, der im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Der Ort der früheren Kirche konnte bisher jedoch nicht gefunden werden.

Der Leiter einer Niederlassung der Augustiner ist der Prior und nicht der Abt. 1379 tauchte der erste Prior in den Annalen auf. Es war John O’Connolly, der Prior von Devenish, der in dem Jahr 1379 verstarb.


Der Fall der Klöster – die Liquidation der Klöster

Die Klöster in Großbritannien und Irland wurden sehr reich und machvoll. 1536 zettelte Henry VIII. die Auflösung beziehungsweise die Liquidation der Macht der Kirche an, indem er das Eigentum der Kirche für die Krone beschlagnahmen ließ, aufgrund eines, durch das Parlament verabschiedetes, Gesetz.

Henry VIII., der das Oberhaupt der neuen „Church of England“ (Kirche von England) war, berief Thomas Cromwell zu seinem Stellvertreter.

Thomas Cromwell erhielt den Befehl, die Klöster den Eid schwören zu lassen, dass sie den König als „höchstes Oberhaupt der Kirche von England auf Erden“ anerkannten. Einige Klöster verweigerten den Eid. Sie wurden daraufhin wie Verräter behandelt.

1540 hatten sich dann alle religiösen Häuser der Krone ergeben und königliche Kommissare führten eine Erhebung der klösterlichen Anwesen durch.

Im 17. Jahrhundert war das Kloster von Devenish quasi verschwunden.

1610 wurde die Schwurgerichtssitzung der Grafschaft in den Ruinen der Abbey abgehalten. Man glaubt, dass das gemacht wurde, um auf St. Mary’s zu berufen.


Die Inquisition

Inquisitionen (gerichtliche Untersuchungen) wurden 1603 und 1609 auf Devenish abgehalten, um über das Anwesen, die Geografie und die Bedingungen für die zukünftige Besiedlung zu entscheiden.

Durch die Inquisition vom 18. September 1609 erfuhr man, dass die Culdeer Häuser und einen Obstgarten auf Devenish besaßen. Diese Land umfasste 120 Acres (Acre = Morgen; Acker; Flächenmaß; 1 Acre = 4048 qm) entlang des Seeufers bei Tully und das Land, das heute Graan ist.

Das Eigentum der „Regular Canons“ (ständigen Diener Gottes) auf Devenish bestand neben anderen Grundstücke in Fermanagh auch aus:

„… der Abbey und ihr benachbartes Umfeld mit einem Obstgarten; einer Kirche und ein benachbartes Gebäude. Dazu kamen ein an das Gebäude angrenzende Kellergeschoss und einige Zimmer, die später darauf gebaut wurden und ebenso einige andere kleinere Gebäude. Ein Obstgarten mit einem kleinen Garten und ein paar Einfriedungen, der drei Acres innerhalb der besagten Bannmeile enthielt, die gesamte Insel von Devenish, die 30 Acres umfasst“.


Die Besiedelung

Die „Gaelic Order“ (der gälische Auftrag) in Ulster blieb nahezu unangetastet von der schleichende Kolonisation von Irland durch die Englische Krone.

Bis zum späten 16. Jahrhundert, als die gälische Aristokratie eine Rebellion gegen die Engländer einfädelte, ging man überall in Irland für den Beistand auf Stimmenwerbung.

Die Schlacht von Kinsale, die 1601 am Heiligen Abend stattfand, beendete die Rebellion. Das Land der Rebellen wurde beschlagnahmt und die früheren „Brehon Laws“ (Brehon Gesetze, welche die gälische Gesellschaft strukturierten), wurden widerrufen.

Schottische und Englische Kolonisten wurden an die Spitze der Gesellschaft von Ulster als eine neue Elite gesetzt.


Beisetzungen

Klöster waren durch die Bestattungsgebühren wirtschaftlich begünstigt.

Relikte von bedeutenden Heiligen wurden von Besuchen des Auslandes zurückgebracht, so dass die Menschen wünschten, auf dem Friedhof des Klosters begraben zu werden.

Gemäß dem Brauchtum brachte St. Molaise, der von einer Pilgerfahrt nach Rom zurückkehrte, zusammen mit Gewändern der Heiligen Jungfrau für den kleinen Friedhof von Devenish auch Relikte von St. Peter, St. Paul, St. Lawrence, St. Clement, St. Stephen und St. Martin zurück, so dass Bestattungen als besonders gesegnet angesehen wurden.

Bestattungen fanden auf Devenish möglicherweise schon seit der ersten Einführung eines Klosters statt, obwohl der älteste Grabstein erst aus dem späten 17. Jahrhundert stammt.

Auf Devenish Island fanden Beerdigungen bis ins 18. Jahrhundert statt, obgleich das Kloster nicht mehr aktiv war und die Kirchen zu Ruinen verfallen waren.


Der untere Friedhof

Der Friedhof, der an „Teampull Mór“ angeschlossen ist, hat eine teilweise ringförmige Mauer. Die frühsten Grabsteine des Friedhofes stammen aus dem 11. und dem 12. Jahrhundert. Der älteste Grabstein ist eine flache Grabplatte mit einem geometrischen, in Stein gehauenen Kreuz.

Das Leben von St. Molaise erzählt uns, wie der Heilige Relikte der Apostel Peter und Paul und der Heiligen Lawrence und Clemens von Rom nach Devenish zurückbrachte. Diese waren für seinen kleinen Friedhof auf Devenish bestimmt, so dass alle Bestattungen besonders gesegnet waren.

In dem frühchristlichen Irland zogen die Klöster ihren Nutzen aus der Bestattungsgebühr. Je bedeutender der Heilige des Klosters war, desto mehr Menschen wollten dort bestattet werden. Etliche Familiennamen, die zu Zeiten des Mittelalters sehr bekannt waren, erscheinen auf Grabsteinen und Grabplatten sowohl auf dem unteren als auch auf dem oberen Friedhof von Devenish.

Darunter sind auch die Namen der Familie Maguire, Cassidy und Flanagan zu finden, die den Prior von St. Mary’s stellten. Die Familie Maguire baute auch eine kleine Kapelle bei der Teampull Mór (mit dem Wappen der Familie an der Mauer).

Das Bild eines Engelkopfes auf verschiedenen Grabsteinen hat zwei Bedeutungen. Einerseits soll er die Seele des Verstorbenen darstellen, die den Körper verlässt und zum Himmel aufsteigt und andererseits ist er eine Darstellungsweise des jüngsten Tages durch die Auferstehungsengel, deren Aufgabe es ist, die Körper der Toten von den Gräbern zusammenzurufen.

Auf anderen Grabsteinen des Friedhofs kann man die eingeschnitzten Bilder von einem Totenkopf, von gekreuzten Knochen, einem Stundenglas und einer Glocke betrachten. Der Zweck dieser Bilder ist es, die Betrachter an die eigene Sterblichkeit zu erinnern und sie zu ermahnen, ihre Seele für den Fall der Fälle vorzubereiten.


Der obere Friedhof und das Hochkreuz

Der Friedhof, der an St. Mary’s angrenzt, hatte einst eine beachtliche Mauer, die die Grenze des Friedhofs definierte. Heute kann man nur noch die Fundamente im Boden erkennen.

Auf dem oberen Friedhof fanden Bestattungen bis in das 19. Jahrhundert hinein statt. Der jüngste Grabstein stammt aus dem Jahr 1867.

Das Hauptmerkmal dieses Friedhofs ist das Hochkreuz. Von diesem ungewöhnlichen Kreuz aus dem 15. Jahrhundert gibt es in Irland keine Gegenstücke. Die östliche Seite zeigt die Szene der Kreuzigung und auf einer der Seiten kann man einen eingeschnitzten Kopf mit einer kreisförmigen Brosche sehen. Das ganze Kreuz wurde kompliziert mit Flechtwerk, Strängen und Weinblättern verziert.

Diesen Stil der Schnitzereien findet man auch bei der mittelalterlichen Tür der Sakristei der Priorei wieder. So hat wahrscheinlich der gleiche Steinmetz beide Arbeiten vorgenommen.

Der Grabstein auf dem Friedhof, auf dem eine Person mit abgerundeten Schultern abgebildet ist, war einst eine mittelalterliche Grababdeckung, die nun aufrecht steht.

Das Bild eines Engelkopfes auf verschiedenen Grabsteinen hat zwei Bedeutungen. Einerseits soll er die Seele des Verstorbenen darstellen, die den Körper verlässt und zum Himmel aufsteigt und andererseits ist er eine Darstellungsweise des jüngsten Tages durch die Auferstehungsengel, deren Aufgabe es ist, die Körper der Toten von den Gräbern zusammenzurufen.


Eine Beschreibung von Devenish aus dem Jahr 1808 von John Frith:

„Vor 20 Jahren drückte ein gewaltiger Sturm den gesamten Giebel des südlichen Seitenschiffs nieder und am 20 Januar 1803 warf ein grausamer Hurrikan den oberen Giebel oben erwähnten Kirche nieder, zusammen mit verschiedenen Häusern und er entwurzelte auch viele Bäume.“

John Frith fuhr mit der Beschreibung des Hauses von St. Molaise fort:

„… eine herrschaftliche gotische Struktur, außen mit behauenen Steinen bedeckt und gedeckt. Bis Bischof Ash beziehungsweise „Stern of Clogher“ anordnete, die Steine zu entfernen, um damit den Flur der Kirche von Enniskillen zu belegen.“



Zitat aus: Schautafeln im Besucherzentrum von Devenish Island und auf Devenish Island selbst; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga