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Carrybridge und Belle Isle

Carrybridge und Belle Isle aus dem Impartial Reporter vom 03.01.2002

Carrybridge ist der Traum eines jeden Anglers. Dieses kleine Fleckchen in der Seenlandschaft von Fermanagh ist ein Fischerparadies, welches Besucher aus Europa und darüber hinaus anzieht. Es ist ein Ort, an dem die europäischen Besucher von den Stunden, die sie an den Ufern des Erne verbracht haben, träumen können und die englischen Besucher die Ruhe der einmaligen Grafschaft Fermanagh genießen können. Diese Gegend ist nicht nur reich an Freundlichkeit und an Fischen, sondern auch an Geschichte. Wenn ein Historiker seine Aufmerksam auf die Gegend gleich bei Carrybridge lenken sollte, dann würde er so viele Geschichten und Anekdoten an den Haken bekommen, dass es den erfolgreichsten Angler neidisch machen würde.

Der Ort wurde um eine lokale Kirche herum gebaut, die hier 160 Jahren lang bestand. Obwohl sich in dem Gebäude ursprünglich die örtliche Schule befunden hatte, wurde das Gebäude in eine Kirche umgewandelt, nachdem die Schüler auf der anderen Straßenseite untergebracht wurden. Die Kirche wurde von dem Landlord John Porter erbaut, der in dem in der Nähe gelegenen Belle Isle Anwesen wohnte. 1883 wurde die Kirche erweitert, damit ihn ihr der Gottesdienst abgehalten werden konnte. Jedes Stückchen von ihr ist heute noch so malerisch wie sie es vor Generationen schon war.

Als die Schulkinder in ein anderes Gebäude umgesetzt wurden, mussten sie ihre Schulbeutel nicht viel weiter wie bisher tragen. Das neue Schulgebäude lag nur 50 Yards entlang der Straße entfernt, wo es heute noch zu finden ist. Obwohl die Räume der Schule heute nicht mehr mit dem Klingen von spielenden, jungen Kindern erfüllt sind, hat die Schule immer noch ihren alten Charakter und ihren Charme beibehalten. Die letzte Unterrichtsstunde fand hier in den späten 1960er Jahren statt, bevor Bob und Dorothy Maher sich entschlossen, dass hier ihr idealer Wohnort sein würde. „Als in uns die Idee aufkam, die Schule zu kaufen, fragten wir uns, warum wir nicht schon vorher die Idee gehabt hatten! Wir stellten ein paar Recherchen an und zogen endgültig während des Jahres 1971 ein“, erläuterte Dorothy. Sie sollten das Gebäude fast 30 Jahre ihr eigen nennen, bis sich die heutigen Bewohner, Richard und Wendy Buchanan, in das aus Stein gefertigte Haus verliebten. Die Buchanans verließen Crawfordsburn, um hierhin zu ziehen. Für das Paar war es ein logischer Schritt, denn sie liebten es, mit dem Boot zu fahren und sie verbrachten seit 1990 fast jedes sonnige Wochenende auf dem Seengebiet von Fermanagh. Das Gespür für die Geschichte durchflutet heute immer noch die alte Schule und in dem heutigen Hausflur kann man heute die originalen Anwesenheitsnachweise seit der ersten Klasse im Jahre 1872 lesen.

Etwas weiter die Straße entlang befindet sich das Postamt, ein weiteres, geschichtsträchtiges Gebäude. Bei der letzten Jahrhundertwende war das Gebäude besser als das Heim von dem lokalen Spielmannszug bekannt. Ein Spielmannszug benötigte allerdings einen beträchtlichen Platz und der beträchtliche Platz ist nicht unbedingt in dem örtlichen Postamt erkennbar. Dass soll heißen, dass es keine einmalige Sache für die Schlagzeuger gewesen war, außerhalb des Hauseingangs zu spielen, indem sie auf der Straßenseite standen. Die Einrichtung wies offensichtlich keine Ähnlichkeit mit der Qualität der Musik auf, denn auf einmal konnte sich der Spielmannszug mit einem, in der All Ireland spielenden, Trompetenmeister rühmen, der 1882 den ganzen Weg nach Dublin reiste, um den prestigeträchtigen Preis zu gewinnen.

Die Kronjuwele in diesem Gebiet ist jedoch das Belle Isle Anwesen, welches die Nachbarschaft über Jahrhunderte beherrschte. Die Insel, die ursprünglich unter dem Namen Ballymacmanus bekannt war, war seit dem 11. Jahrhundert bewohnt und bis 1607 war sie die Heimat für Generationen der MacManus Familie.

Historisch gesehen ist Cathal Og MacManus einer der wichtigsten Figuren in der Geschichte von Irland und es war auf Belle Isle an den Ufern des Upper Lough Erne, wo er die „Annals of Ulster“ (Annalen von Ulster) verfasste, welche als die am meisten umfassende Informationsquelle für die frühe Geschichte Irlands angesehen wird. Cathal Og MacManus starb 1498 an Pocken, nachdem er sein ganzes Leben lang im Belle Isle Anwesen gewohnt hatte. 500 Jahre später wurde ein Denkmal auf der Zufahrt errichtet, um an das Leben des großen Historikers zu erinnern.

Der nächste Bewohner des Belle Isle Anwesens wurde Paul Gore, ein hervorragender Soldat, dem das Land 1607 von der Krone bewilligt wurde. Seine Nachkommenschaft bauten eine Anzahl von Gebäuden, bevor sie die Insel 1830 an Rev. John Porter für £68.000 verkauften. Die Porter Familie behielt das Anwesen bis 1991, bis es in das Eigentum von den Duke of Abercorn überging.

Die Porter Familie hatte während ihrer Zeit auf Belle Isle eine farbenreiche Geschichte und während wichtige Ideen von der Familie und ihrer Nachkommenschaft hervorgebracht wurden, lieferten sie auch ihren Anteil an dem lokalen Klatsch. 1854 wurde John Grey Porter ein Gesellschafter von der Dundalk and Enniskillen Railway Company, welche eine Hauptlinie von Dundalk nach Enniskillen mit einem Streckenabzweig nach Lisbellaw, dem an Belle Isle am nächsten liegenden Ort, plante. In einem der besten Beispiele für lokale Rivalität, verlor Lisbellaw den Kampf um den Streckenabzweig an Lisnaskea, da sich der Firmenvorsitzende Lord Erne, der Lisnaskea besaß nicht besonders mit Porter verstand. So dass letztendlich Porter in einem erfolglosen Bestreben die Firma vor Gericht brachte, um die Entscheidung zu ändern. Porter war nicht der Mann, der es gewohnt war, sich mit dem Nächstbesten zu begnügen und bald darauf fand er sich vor Gericht wieder, nachdem er ein Dokument veröffentlicht hatte, das stark auf Korruption anspielte.

Diese Geschichte war nicht Porters letzte Berührung mit dem Gericht. 1883, als Porter 42 Jahre alt war, heiratete er die 18jährige Elizabeth Hall. Die Ehe war nicht glücklich und so erreichte Porter schon bald die Nachricht von der Liebschaft seiner Ehefrau mit einem Captain, der in Enniskillen stationiert war. Porter entschied sich dazu, die Angelegenheit in seine eigene Hand zu nehmen und so wurde der Captain nach Belle Isle gelockt, wo er tätlich angegriffen wurde, indem man ihm sein Haar und die Hälfte seines Schnurbartes abrasierte. Die wochenlange Untersuchung Porters wegen des Anschlags und der Körperverletzung brachte soviel würzige Details zu der Affäre von Porters Frau zum Vorschein, dass diese Details für ein monatelanges Gerede sorgten.

Das Leben von Porter war in anderen Bereichen jedoch viel produktiver und er bildete einen wertvollen Beitrag nicht nur für die unmittelbare Umgebung, sondern auch für ganz Fermanagh. Sein langlebigstes Unternehmen war eine Zwirnerei für Wollwaren in Lisbellaw und 1879 gründete er „The Lisbellaw Gazette and Co Fermanagh Advertiser“. Er war behilflich dabei, die Konstruktion des Inishmore Viaduktes von Carrybridge voranzutreiben und er baute das Knockninny Hotel an dem Seeufer bei Knockninny. Eines seiner erinnerungswürdigsten Unternehmungen war allerdings der Bau und der Betrieb von zwei Dampfschiffen die „Knockninny“ und „Belturbet“ hießen. George Johnston, ein Einheimischer, der sein ganzes Leben lang in dieser Gegend wohnte, kann sich noch an die Tage der großen Boote erinnern, die von Enniskillen den See hinauf fuhren. „Die Boote konnten hunderte von Menschen befördern“, sagte George, „und sie transportierten sowohl Passagiere als auch Güter. Sie waren für die Menschen dieser Gegend eine große Hilfe. Scheinbar kostete es 6 Pence, damit man sein Schwein von Knockninny nach Enniskillen transportieren konnte. Man erzählt auch, dass der lokale Ladenbesitzer pflegte, die Geldeinnahmen von der Brücke auf das Deck fallen zu lassen, wenn das Boot die Brücke passierte. Irgendjemand auf dem Boot sammelte dann das Geld auf und zahlte es für ihn auf der Bank von Enniskillen ein“.

George kann von sich annehmen, dass er sehr qualifiziert ist, wenn es um die Geschichte dieser Gegend geht. 1906 zog seine Familie in die Gola Abtei, wo George heute noch lebt. Rev. John MacManus baute das Kloster im 16. Jahrhundert und alleine George hat sich in seinen Speicher gewagt, um die reiche Geschichte dieser Gegend zu belegen. Steinzeitäxte und ausgehöhlte Boote sind nur einige von den Erinnerungen, die sich in seinem Besitz befinden.

Er kann auch gutes Seemannsgarn spinnen und er ist die Quelle von der meisten lokalen Folklore. Da gibt es die Geschichte von den 20 Menschen, die in der Nähe auf einem Feld während eines Kampfes unter Viehdieben getötet wurden. Dann gibt es da noch die Geschichte, wie die Kreuzung von Gola für den Pferdewechsel von den Kutschen von Enniskillen nach Dublin wichtig wurde.

Und natürlich darf man nicht die Legende von der Nacht in dem Haus des Fährmanns vergessen. Das Haus des Fährmanns war der Ort eine Raubes und eines Mordes, als sich Wegelagerer dazu entschlossen hatten, die Mautgebühr auf ihre eigene Art und Weise einzusammeln.

Zum Glück sind Mörder und Viehdiebe heute nicht ganz so bedeutend in Carrybridge, wie sie es einst gewesen waren. In dem 21. Jahrhundert liegt der Schwerpunkt auf Frieden, Ruhe und Freundschaft und die Touristen, die in dieser Gegend verweilten, sind voller Lob für die Gemeinschaft und ihre Menschen. Zwei der hauptsächlichen Schwerpunkte in dieser Gegend sind das Carrybridge Hotel und die Carrybridge Boat Company. 2002 sieht die Beatty Familie auf ihr achtes Jahr, in dem sie das Hotel managen und während der Zeit haben sie den Löwenanteil ihres Geschäftes bei den Anglern gesehen. In der Tat war es bei ihren Kunden genauso üblich mit dem Boot wie auch mit dem Auto anzukommen. Ein weiteres gedeihendes lokales Geschäft, welches dem Seengebiet von Fermanagh seinen Erfolg verdankt, ist die Carrybridge Boat Company, die jedes Jahr den Besuchern dieser Gegend dabei hilft, das Erlebnis Erne zu genießen.

Die Gegend und ihre natürliche Schönheit machten auf einen englischen Angler so einen Eindruck, dass er sie für die letzten sechzehn Jahre für seine Heimat machte. Dave Ensor betreibt nun zusammen mit seiner Frau Norma das örtliche Gästehaus „Aghnacarra“ und sie haben niemals zurückgeblickt, seit sie nach Carrybridge kamen. „Ich kam hierher zum Fischen“, erläutert Dave, „und wir liebten diese Gegend so sehr, dass wir unser Geschäft in England verpackten und wir dann herüber kamen“. Dave und Norma werden jetzt wie Einheimische akzeptiert, aber es war die Freundlichkeit der örtlichen Gemeinschaft, die sofort so einen starken Eindruck auf das Paar hinterließ. „Als wir das erste Mal hierher kamen, ging ich zu einem der Nachbarn, weil ich versuchen wollte, einen Rasenmäher für die Rasenfläche auszuleihen“, berichtet Dave, „und zehn Minuten später kam jemand vorbei, um unser Gras mit seinem Traktor zu mähen“.

Es ist ein schwieriges Jahr für die Fremdenverkehrsbranche gewesen und das Carrybridge Gästehaus kam auch nicht unbeschädigt davon. „Die Krise wegen der Maul und Klauen Seuche hielt die Angler vom Reisen ab“, erläutert Dave, „und das bedeutet, dass es ein sehr ruhiges Jahr war, jedoch sind die Anmeldungen für das Jahr 2002 gut“. Mit den Schwänen, den Eisvögeln und sogar dem gelegentlichen Herumlungern von Ottern in ihrem vorderen Garten, haben die Ensors das Recht zu glauben, dass das Geschäft nach Carrybridge im nächsten Sommer zurückkehren wird.

Zitat aus: http://www.impartialreporter.com/archive/2002-01-03/news/story2820.html ; von Inga

Auch die IRA hatte Carrybridge auf dem Kicker und so kam es dann zu der nachfolgenden Meldung:

31. Juli 1997 Eine gewaltige Autobombe zwischen 500 und 1000 lb. wurde bei dem Carrybridge Hotel und der Marina platziert. Carrybridge liegt in der Nähe von Lisbellaw an den Ufern des Flusses Erne in der Grafschaft Fermanagh. Das Hotel wurde mittels eines Anrufes um 09:00 Uhr gewarnt und konnte geräumt werden.

Zitat aus http://rsf.ie/saoirse/record/jul1997.htm ; von Inga

Zum Glück sind diese Zeiten vorbei und so kann man ohne ein gewisses Kribbeln in der Magengegend Nordirland bereisen. Aber es erstaunt mich doch immer wieder, wo überall die IRA für Unruhe gesorgt hat, denn Carrybridge ist ja nun wirklich kein sehr großer und bedeutender Ort. Nach welchen Gesichtspunkten wurde da ausgewählt? Auf diese Frage wird es wohl keine Antwort mehr geben.