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Boa Island

Wenn man die Brücken aus den späten 1920er Jahren nach Boa Island passiert, dann betritt man die wahrscheinlich größte Insel innerhalb Irlands. Sie ist ungefähr 1.000 Acres (1 Acre = 4048 qm) groß. Vor der Großen Hungernot befanden sich 600 Einwohner auf der Insel. Heute leben hier noch ungefähr 40 Menschen. Die Insel erhielt ihren Namen von Boadagh, dem keltischen Gott des Krieges und des Todes, der die Form eines Raben einnehmen konnte.

Paradoxerweise war die Insel in der Vergangenheit häufig ein Treffpunkt, wo Staatverträge zwischen den lokalen Klans arrangiert wurden. Dieses fand meist im Mittelpunkt der Insel im Bezirk von Ardshankill, was wiederum „Old High Church“ (alte Hochkirche) bedeutet, statt. Jedoch blieben keinerlei Spuren dieser Kirche bis heute bestehen.

Die heutigen Brücken, die zu der Insel hin und natürlich auch wieder weg führt, wurden erst 1927 gebaut. Davor konnte Boa Island nur mit dem Boot erreicht werden.

Pettigo war die nächste und wichtigste Stadt für die Bewohner von Boa Island.

Boa Island gehörte früher der Familie Barton, die bekannt für ihre eigenen Rechte in vielen Bereichen war, am allermeisten im Handwerk, in der Literatur, in der Religion, in der Politik und im Sport. Die Bartons hatten in der Nähe von Pettigo zwei Hauptwohnsitze. Einer von diesen war das an der Straße von Kesh gelegene Clonelly. Da das Haus abgerissen wurde, befindet sich hier heute ein Wald. Das andere Haus befindet sich in Waterfoot an der Straße von Belleek nach Pettigo. Es wird von Nachkommen der Familie Barton bewohnt, obwohl die heutigen Bewohner nicht mehr Barton als Nachnamen haben. Das Geschick der Familie wurde von „French Tom Barton“ (dem französischen Tom Barton) begründet, der nach Frankreich auswanderte und dort 1720 die Weinfirma Barton und Guestier gründete. Heute gehört sie zu den bedeutendsten Firmen in Frankreich, auch wenn sie nicht mehr von der Familie Barton geleitet wird.

Die Zeit lässt an dieser Stelle keine längere Beschreibung der Familie Barton zu, aber ihren Beitrag auf das australische Leben kann man hier nicht auslassen. Ein Zweig der Familie Barton wanderte nach Australien aus. Die Tochter dieser Auswanderer heiratete einen Patterson. Ihr Sohn Andrew Barton Patterson „Banjo Patterson“ schrieb „Waltzing Matilda“, „The Man From Snowy River“ und viele andere Beiträge zu der klassischen populären australischen Literatur.

Elizabeth Shane schrieb ein Gedicht über Boa Island, welches in der Vergangenheit ein Bestandteil der Schulbücher war:


The herons on Boa Island Die Reiher auf Boa Island
Stand solemnly all days, Stehen ernst alle Tage
Like lean old men together Wie magere alte Männer zusammen
They hump their shoulders grey, Sie tragen ihre Schultern in grau
Oh, I wish I could get near them Oh, ich wünsche, ich könnte ihre Nähe erreichen,
To hear the things they say. um die Dinge zu hören, von denen sie sprechen.


Der Caldragh Friedhof und die Janisform Statue auf Boa Island

Die Janus Figur auf dem Friedhof von Caldragh ist bei weitem das bekannteste Merkmal von Boa Island.

Tatsächlich ist diese Statue so bekannt, seit ein Bild von ihr in jedem halbwegs umfangreichen Führer zu diesem Land abgebildet wird, wie es eher für ein Merkmal von gesamt Irland in Betracht kommt, als für ein Merkmal von Boa Island. Sie übt einen großen Zauber auf die Touristen auf und sie ist eine große Mysterienquelle für Historiker und Gelehrte.

Auf einer anderen Ebene haben wohl einige Leute eine unheimliche Prickelempfindung beim Berühren der Figur erfahren.

Die Figur hat nichts mit dem römischen Gott Janus zu tun, dem wir den Monat Januar verdienen. Janus war ein Gott der Hausgemeinschaft mit zwei Gesichtern. Das eine Gesicht sah nach innen und es soll den Frieden und die Harmonie innerhalb des Hauses begünstigen und das andere Gesicht sah nach außen, um das Unheil von den Bewohnern des Hauses abzuwehren. In ähnlicher Weise ist es mit dem Monat Januar. Einerseits blickt er in das alte Jahr zurück, andererseits schaut er voraus auf das neue Jahr.

Die Figur auf Boa Island ist ungefähr einen Meter groß und sie besteht aus zwei Figuren, die Rücken an Rücken stehen. Der Zweck von diesen sollte wohl sein, die Kraft des Gottes zu verdoppeln, da die Kelten an die Kraft von Zwillingen glaubten. Die Figuren haben sehr umfangreiche Köpfe, wenn man sie in Proportion zum restlichen Körper sieht und die Köpfe haben sehr große Augen, einen großen Mund und eine schmale Nase. Die Figuren halten ihre Arme vor dem Körper gekreuzt und zwischen den Köpfen befindet sich ein Loch, in dem man Regenwasser oder eine Flüssigkeit von irgendeiner Art und Weise hineingießen konnte. Diese Mulde könnte auch mit einem Geweih oder einer anderen Form gekrönt gewesen sein, als ein Zusatz für die Figur. Eine Neuentdeckung ist der Teil der Figur mit den geschnitzten Händen gewesen.


Die Janus Figur auf Boa Island.

Die Köpfe sind aus symbolischen Gründen so groß, da die Kelten glaubten, dass der Kopf der Sitz der Seele und bei einem Mann das Zentrum der Stärke und der Kraft des Lebens war.

So war es im Kampf üblich, den Kopf vom Körper des Feindes abzuschlagen. Diese Handlungsweise bedeutete, dass die Kraft dieses Feindes jetzt der Kraft des Siegers hinzugefügt wurde. Mit anderen Worten, die Kelten waren Kopfjäger und die irischen Legenden sind voll von solchen Überlieferungen.

Die zweite Figur auf dem Friedhof ist eine hockende Figur mit einem großen Kopf und verbundenen Händen und sie wird im Allgemeinen in Irland mit „Sheela-na-gig“ beschrieben.

„Sheela-na-gigs“ sind nackte Frauen, die eingeschnitzt in Mauern von Abteien, Klostern, Kirchen, Gewölbepfeilern und anderen Bauwerken nicht nur in Irland, England, Schottland und Wales sondern auch in anderen Teilen von Europa gefunden wurden. Sie kommen in mannigfaltigen Formen und Größen vor.

Alle teilen jedoch die gleiche Eigenschaft eines hervorstehenden und oftmals sehr großen Genitalbereiches, der oftmals von den Händen der Figur offen gehalten wird. Die meisten von ihnen entstammen dem Mittelalter. Leider überstand keinerlei Quelle aus dem Mittelalter, die uns einen Anhaltspunkt darüber geben könnten, warum diese eindeutigen Figuren eingeschnitzt wurden und warum sie so oft an religiösen Gebäuden vorkommen. Wir haben nur die Grübeleien der Menschen aus der viktorianischen Zeit und der modernen Gelehrten, die uns bei der Entschlüsselung des Sheela Mysteriums leiten können.

Der Name „sheela-na-gig“ leitet sich höchstwahrscheinlich aus der irischen Sprache ab. Die beiden üblichen Übersetzungen sind: „Sile na gCioch“ (Sile na gCioch = sheela of the breast = alte Hexe mit Brüsten) und „Sile-ina-Giob“ (Sile-ina-Giob = sheela on her hunkers = Sheela auf ihrem Hintern). In Mesopotanien bezeichnte der Ausdruck „nu-gug“ (the pure und immaculate ones = die Reinen und Tadellosen) den heiligen Tempel Harlots und man glaubt, dass der Name wohl hier seinen Ursprung haben könnte. Die Deutungen der Figuren fallen hauptsächlich unter vier Kategorien:


  • Ikone der Fruchtbarkeit
  • Warnungen vor der Sünde der Fleischeslust
  • eine Darstellungsweise einer Figur der alten keltischen Göttin der Dreifaltigkeit, ein Schutz vor dem Teufel


Eine Theorie, die vom Künstler Michael Quirke aus Sligo geäußert wurde, besagt, dass das Abbild der Sheela wohl das Dritte bei der keltischen Göttin der Dreifaltigkeit darstellt. Bei Jungfrau-Mutter-altes Weib, wäre das Dritte das alte Weib, das den Helden beim Tod zurück in ihren Mutterleib einlädt. Durch diese reinen Figuren sollen wir erinnert werden, dass wir alle von Mutter Erde geboren wurden und dass wir im Tod wieder zu Mutter Erde zurückkehren werden (durch die gleiche „Tür“ – den Mutterleib der Erde). In dieser Hinsicht ähnelt „sheela-na-gig“ sehr der indischen Gottheit Kali, der Göttin des Todes. Darstellungen von Kali sind meist furchterregender als die von „sheela-na-gigs“. Die Figuren von Kali tragen oft Girlanden von menschlichen Totenschädeln zusätzlich zur verwelkten Brust, des kämpferischen Antlitzes und dem sichtbar leeren Mutterleib.



Siehe auch: Sheela-na-Gig

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January God

Seamus Heaney, der Dichter und Literaturnobelpreisträger von 1995, der den Anschein erweckte, eine seltsame Kraft gefühlt zu haben, wenn er auf diese Gottheiten der Vergangenheit trifft, schreibt in „January God“ über die Janus Figur von Boa Island:


January God Januar Gott
Then I found a two faced stone Als ich einen Stein mit zwei Gesichtern fand
On burial ground, auf dem Friedhof
God-eyed, sex-mouthed, it`s brain Gott-Augen, Sex-Mund, sein Gehirn
A watery wound. eine Wunde voller Wasser
In the wet gap of the year, in der regnerischen Unterbrechung des Jahres
Daubed with fresh lake mud, besudelt mit frischen See Morast
I faltered near his power —- schwankte ich in der Nähe seiner Stärke —-
January God. Januar Gott
Who the water, the hymen Der das Wasser, das Hymen
With his great antlers —- mit seinem großen Geweih —-
There reigned upon each ghost tine dort regiert über jeden Geistspross
His familiars, seine Vertrauten
The mothering earth, the stones die Mutter Erde, die Steine
Taken bye ach wave, genommen von Wellen
The fleshy aftergrass, the bones das fleischartige Grummet, die Knochen
Subsoil in each grave. lockern den Untergrund in jedem Grab.


Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga