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Sheela-na-Gig

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Als Sheela-na-Gig. Síla na Géige, oder auch Sheela Na Gig werden Steinreliefs weiblicher Figuren bezeichnet, die ihre meist übertrieben dargestellte Vulva präsentieren.


Verbreitung und Name

Sheela über dem Kirchenportal von Killinaboy in Irland.

Die am Originalplatz noch erhaltenen 140 Sheela-na-Gigs befinden sich an den Außenwänden von Kirchen, Burgen und Gebäuden in Irland (99) und Großbritannien (41). Nur wenige werden von männlichen Figuren begleitet oder finden sich an nicht-sakralen Gebäuden. Der Name wurde zuerst von der Royal Irish Academy in den Proceedings of the Royal Irish Academy 1840-44 veröffentlicht und als ortsüblicher Name für eine Figur angegeben, die an der Giebelwand einer Kirche in Rochestown (Nr. T17) in der irischen Grafschaft Tipperary angebracht war, heute jedoch abgängig ist. Dieser Name wurde 1840 auch von dem frühen Keltologen und Mitglied der staatlichen Vermessungsbehörde Ordnance Survey of Ireland, John O'Donovan, erwähnt. Er bezog ihn auf eine Figur an einer Kirche in derselben Grafschaft. Über den Ursprung und die Bedeutung des Namens besteht Uneinigkeit. Nach Eamonn Kelly, Kurator am National Museum of Ireland in Dublin, stammt der Name naheliegenderweise aus dem Irischen, ursprünglich entweder „Sighle na gCíoch“ („Alte Hexe mit Brüsten“) oder „Síle-ina-Giob“ („Sheila [Name einer alten Frau] auf ihrem Hintern“).


Ansichten zu Herkunft und Zweck der Sheelas


nach James Jerman und Anthony Weir

Nach James Jerman und Anthony Weir wurden die Figuren zuerst im 11. Jahrhundert in Frankreich und Spanien geschaffen. Britannien und Irland erreichten sie erst im 12. Jahrhundert. Sie übernahmen die Ergebnisse der von Jørgen Andersen begonnenen Forschung. Eamonn Kelly wies auf die Verteilung der Sheelas in Irland hin, um dieselbe Theorie zu stützen: Beinahe alle am ursprünglichen Anbringungsort noch erhaltenen Sheelas sind in den von Anglo-Normannen im 12. und 13. Jahrhundert eroberten Gebieten Irlands zu finden. In den Gebieten, die sich in der Hand einheimischer Herrscher verblieben, finden sich weniger Sheelas. Weir und Jerman argumentieren in ihrem Werk Images of Lust, dass die Anbringung der Sheela-na-Gigs an Kirchen und ihre nach mittelalterlichen Normen empfundene Hässlichkeit darauf verweist, dass sie die weibliche Lust als abscheulich und sündhaft darstellen. Es wird angenommen, dass die kleinen Skulpturen dazu dienen sollten, den Tod und das Böse fernzuhalten. Ähnliche groteske Figuren wie etwa Wasserspeier (Gargoyles) finden sich an Kirchen in ganz Europa. Sie dienten (allerdings gemäß heutiger Interpretation) der Abwehr böser Geister.


nach Joanne McMahon und Jack Roberts

Nach dieser Theorie sind die Abbilder Zeugnisse eines vorchristlichen Fruchtbarkeitskultes. Um diese Behauptung zu stützen, verweisen sie z. B. auf die Unterschiede in den Materialien und im Stil der Sheelas und der sie tragenden Gebäude. Zudem sind einige der Sheelas zur Seite gedreht, was darauf verweist, dass sie aus zuvor bestehenden älteren Strukturen in frühchristliche übernommen wurden. Es bestehen Unterschiede zwischen „kontinentalen“ Figuren exhibitionistischen Charakters und den irischen Sheelas, einschließlich des Fehlens männlicher Figuren in Irland und Großbritannien, während die kontinentalen Figuren häufiger begleitet sind. Zudem sind die Figuren auch gebogener und erinnern stärker an Schlangenmenschen.

Die Darstellung der Promiskuität der vorchristlichen Göttin der Fruchtbarkeit beschränkt sich nicht auf irische Darstellungen, auch wenn einige an Deutlichkeit nicht zu überbieten sind. Es sieht heute so aus, als hätten die Reformen der irischen Kirche, die erst mit den Synoden von Rathbreasail 1111 und Kells 1152 begannen, auch das Ende der Sheelas eingeläutet. Irland, stets als ein Eckpfeiler des Christentums bezeichnet, stand bis ins 12. Jahrhundert nicht unter dem Einfluss Roms und verlor ihn auch schnell wieder, als die anglikanischen Eroberer im 15. Jahrhundert rund 400 Klöster und viele Kirchen zerstörten. Der so geschwächte Klerus organisierte den Widerstand. Mass Rocks und Penal churches sind die Belege für heimliche Gottesdienste im besetzten Irland. Ein Kampf gegen die überkommenen heidnischen Vorstellungen wäre da zum Zweifrontenkrieg geraten. So finden wir hier noch heute tausende Heiliger Quellen und Wunschbäume, die ihre heimliche Anhängerschaft haben oder zu christianisierten Orten wurden.


Der zu Roberts Version passende Mythos

Die vorchristliche Liebesgöttin, die in der nordischen Freya, von der es eine vergleichsweise sehr zurückhaltende Darstellung auf einem gotländischen Bildstein gibt, ihre Entsprechung hat, stand für Glück, Erfolg, Fruchtbarkeit und Gesundheit. Entsprechend altirischer Legenden erscheint jedem zukünftigen König eine Frau als hässliche, lüsterne Hexe und sucht ihn zu verführen. Wenn sie Erfolg hat, wird sie zu einer schönen Frau und gibt ihm Erfolg und seiner Herrschaft ihren Segen. Sheelas fordern mit eindeutiger Geste zur Kopulation auf; deshalb musste zumindest in der offiziellen Lesart der Kirche der Sinn dieser unverhohlen gezeigten Libido wechseln. Sie wurden von dem damals offensichtlich weniger sittenstrengen irischen Klerus in ihrer überlieferten Mission gesehen, nämlich als Glücksbringerin. Der Halbmond, der das rechte Auge der Sheela von Ballinacarriga im County Cork (sh. Bild) umschließt, kennzeichnet sie als eine Enkelin der Göttinnen Dana und Brigid. J. Roberts spannt den Bogen sogar bis zur indischen Kali, die als Kalika ähnlich dargestellt wird. Ihr gälischer Name war Cailleach. Sie gilt als die Urmutter der Völker.


Zitat aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Sheela_Na_Gig