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Geschichte Irlands - Irland in der Frühen Neuzeit

Plantation (Irland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Als Plantation (englisch „Pflanzung“, „Ansiedlung“) werden in Irland historische Maßnahmen Englands bezeichnet, die die Ansiedlung englischer oder schottischer Einwanderer in Irland zum Ziel hatten.

Erste Versuche, Menschen aus Großbritannien in Irland anzusiedeln, gab es bereits unter Heinrich VIII. und vor allem unter Elisabeth I.. Diese fanden auf dem Gebiet der heutigen Grafschaften Offaly und Laois statt. Weitere Plantation waren die „Munster Plantation“ im späten 16. Jahrhundert und vor allem die „Ulster Plantation“ im frühen 17. Jahrhundert.

Während das für intensivere Landwirtschaft weitgehend unbrauchbare Connacht von Plantation weitgehend verschont blieb, war die Ulster Plantation diejenige, die aus englisch-schottischer Sicht langfristig am erfolgreichsten war. Sie ist als eine der Hauptursachen für den heutigen Nordirlandkonflikt in die Geschichte eingegangen.


Die Ulster Plantation

In den Jahren 1603–1660, nach der irischen Niederlage im neunjährigen Krieg und der damit verbundenen Flucht der Grafen wurden englische und schottische Bauern (protestantischen Glaubens) in die Region von Ulster teils umgesiedelt, teils materiell angelockt.

Diese Ansiedlung legte den Grundstein des Jahrhunderte andauernden Konflikts zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsteilen. Hieraus wird deutlich, dass der Konflikt primär nicht religiöser, sondern national-kolonialer Natur ist.


Zitat aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Plantation_%28Irland%29



Plantation und Aufstände

Unter Heinrich VIII. wurde Irland 1541 direkt der englischen Krone unterstellt, der englische König regierte damit in Personalunion über das neu geschaffene Königreich Irland. Zudem wurden sämtliche Kirchengüter auf der irischen Insel eingezogen, was auch in England seit dem Bruch mit der römischen Kirche und der Gründung der Anglikanischen Staatskirche durchgeführt worden war. Sowohl die Iren als auch die meisten Siedler aus anglo-normannischer Zeit verblieben aber beim katholischen Glauben. Heinrich VIII. befürchtete, dass ausländische Mächte wie Spanien das überwiegend katholische Irland gegen England ausspielen könnten. Heinrichs Nachfolger Eduard VI. begann mit einer massiven, gezielten Ansiedlung von Engländern im Gebiet außerhalb des Pale. Diese Ansiedlungen werden als Plantation bezeichnet, was sich wörtlich als „Bepflanzungen“ übersetzen lässt.

Seit Ende der 1560er Jahre nahm die Ansiedlung von Briten in Irland stark zu und wurde begleitet von militärischen Maßnahmen gegen den aufkeimenden irischen Widerstand. Irland war zu dieser Zeit eine der rückständigsten Regionen Europas, in der es an modernem Kriegsgerät und einer starken Organisation fehlte. Trotzdem wurde der irische Widerstand gegen die Plantation immer effektiver, da die Iren eine Art Guerilla-Krieg führten, auf den damalige Streitkräfte nicht eingestellt waren. Der gebirgige und bewaldete Charakter der Insel stellte dabei für die Iren einen großen Vorteil dar. Unter James Fitzmaurice Fitzgerald brach 1568 ein irischer Aufstand aus, der von den Engländern aber bis 1573 niedergeschlagen werden konnte. Der Earl of Desmond organisierte 1579 eine weitere Rebellion, die bis 1583 von englischen Truppen brutal erstickt wurde. Beide Rebellionen sind als die Desmond-Rebellionen bekannt.

Zu einer ernsthaften Bedrohung für die Engländer wurde der irische Widerstand unter Hugh O’Neill, 2. Earl of Tyrone. O’Neill gelang die Aufstellung eines aus etwa 10.000 Iren bestehenden Heeres.

Diese Streitmacht war mit zahlreichen Musketen bestens ausgerüstet, welche die Iren mit spanischem Gold in Schottland gekauft hatten. Die Iren wurden von Spanien nicht nur durch finanzielle Mittel, sondern auch durch die Entsendung von Festungsingenieuren unterstützt. O’Neill setzte nicht nur auf die Iren gälischer Abstammung, sondern versuchte zusätzlich die „Alt-Engländer“ (englische Siedler aus anglo-normannischer Zeit, die katholisch geblieben waren) für seine Sache zu gewinnen. Aufgrund der in Irland vorherrschenden Armut dienten zahlreiche Iren als Söldner im spanischen Heer, wo sie wichtige militärische Erfahrungen sammelten. Unter O’Neill brach 1595 ein großer Aufstand der katholischen Iren in Ulster aus und griff schnell auf ganz Irland über. Ein zur Bekämpfung von O’Neills Truppen ausgesandtes, englisches Heer wurde bei der Schlacht von Clontibert überraschend von diesen angegriffen und vernichtend geschlagen. Drei Jahre später, am 14. August 1598, kam es am Yellow Ford zu einer weiteren Schlacht, welche ebenfalls mit einer schweren englischen Niederlage endete.

Königin Elisabeth I. setzte 1600 Lord Mountjoy als neuen Lord Deputy in Irland ein. Dieser sorgte im Norden Irlands für die Vernichtung der Ernte und ließ die dortigen Viehherden beschlagnahmen, um den Aufständischen ihre Nahrungsgrundlagen zu entziehen. Mountjoys weiterer Vorstoß nach Ulster wurde jedoch von O’Neill und seinen Truppen vom 2. bis zum 3. Oktober 1600 am Moyry Pass gestoppt. Unterstützung erhielt O’Neill am 21. September 1601 in Form von 3500 spanischen Soldaten, die in Kinsale an Land gingen. Englische Truppen unter Mountjoy begannen wenig später mit der Belagerung der Stadt. Ende Dezember traf O’Neill mit seinem Heer bei Kinsale ein, um die Belagerung gewaltsam zu beenden. Der Versuch scheiterte, und die spanische Garnison kapitulierte. Nach einigen weiteren Kampfhandlungen handelte O’Neill 1603 einen Waffenstillstand mit den Engländern aus. Da sich Irland nun wieder gänzlich unter englischer Kontrolle befand, verließen zahlreiche Angehörige des irischen Adels – darunter O'Neill – im Jahre 1607 ihr Heimatland, wobei man von der „Flight of the Earls“ (Grafenflucht) sprach. Zur Vergeltung für den Aufstand wurden zahlreiche irische Grundbesitzer enteignet.

Zu einer bis in die heutige Zeit folgenschweren Entwicklung kam es unter Elisabeths Nachfolger Jakob I.. Unter dessen Regentschaft wurde seit 1609 die „Ulster Plantation“ durchgeführt. Im Zuge dieser Plantation wurden zahlreiche anglikanische Engländer und presbyterianische Schotten in Ulster angesiedelt. Ulster entwickelte sich dadurch zum Kern englischer Herrschaft in Irland. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam es in Irland zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, der ein starkes Bevölkerungswachstum zur Folge hatte. Um ihre Herrschaft über Irland zu sichern, erbauten die Engländer unter Jakob I. Forts und Zitadellen in Städten wie Cork und Kinsale. Die nordirische Stadt Derry wurde 1613 direkt der englischen Hauptstadt London übertragen, befestigt und mit Engländern besiedelt. Ihr Name wurde von den Neusiedlern in Londonderry geändert, während die Alteingesessenen – und die meisten katholischen Iren – sie bis heute als Derry bezeichnen.


Zitat aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Irlands