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Der „Pattern Day“ im Old Irland

von Bridget Haggerty, aus dem Englischen übersetzt von Inga

Das Wort “Pattern” kommt vom Irischen “Patrun” oder dem Englischen “Patron”. In den alten Zeiten hatten die meisten der Irischen Gemeinden einen heiligen Schutzpatron. Am Festtag des Heiligen feierten die Gemeindemitglieder, das, was man als „Pattern Day“ bezeichnet.

In der Zeit vor der Reformation fing die Festivität mit religiösen Andachten in der Kirche an Aber diese kamen zu einem Ende, als die Beschlagnahmungen und/oder die Zerstörungen der römisch-katholischen Kirchen zur Hälfte das Jahrhunderts zwischen den 1540er Jahren und den 1690er Jahren stattfanden. Bis 1700 war die Beschlagnahmung so fortgeschritten, dass sich nur noch ein paar Kirchen unter katholischer Kontrolle befanden. Öffentliche religiöse Zeremonien waren beinahe gänzlich aufgrund der zentralen Position von nichtkirchlichen Andachten verschwunden.

Die Gläubigen fanden jedoch alternative Wege, die Festtage ihrer Heiligen zu feiern. Während viele der Laien ihre Ehrerbietung an den Schreinen der Heiligen oder in den Ruinen ihrer lokalen Kirche erwiesen, fanden viele Andachten an heiligen Quellen statt.

Im Allgemeinen begann die Andacht an diesen heiligen Quellen mit etwas, was „The Rounds“ (die Runden) genannt wurde. Die Menschen liefen eine gewisse Anzahl von Runden um die Quelle herum, während sie bestimmte Gebete aufsagten. Ein Teil des Rituals beinhaltete sowohl das Trinken des Wassers als auch das Baden in der Quelle. Es wird gesagt, dass das Wasser der heiligen Quelle heilende Wirkung hat und einige Quellen wurden dafür bekannt, bestimmte Beschwerden lindern beziehungsweise heilen zu können. Am Ende ihres Besuches ließen die Menschen üblicherweise ein kleines Zeichen zurück. Dieses konnten einige Münzen, ein Stück Stoff, welches aufgehängt wurde oder irgendwelche kleinen Gegenständen, welche sie zufälligerweise bei sich hatten, sein.

Diese Traditionen, Rituale, Legenden und Bräuche der heiligen Quellen können Hunderte von Jahre zurückdatiert werden. Sie waren lange bevor die Christianisierung nach Irland kam überall auf den Britischen Inseln verbreitet. Für irische Katholiken wurde allerdings durch das Verschwinden ihrer Kirchen und durch die „Penal Laws“ (Penal Laws = Strafgesetze; speziell gegen Katholiken gerichtete Gesetze des 18. Jahrhunderts, die eine volle Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zumindest erschwerten, oft sogar unmöglich machten), die Zusammenkünfte an den Heiligen Quellen ein sehr wichtiges Ereignis, besonders am Festtag ihres heiligen Schutzpatrons.

Ohne eine förmliche, geistliche Anleitung wurden „The Pattern Days“ bekannt für ihre unkonventionelle Art der Andacht und oftmals aber auch als rauflustige Veranstaltung. Die Geistlichen versuchten die Angelegenheiten unter Kontrolle zu halten und bei der „Synod of Tuam“ (Synode von Tuam) wurde 1660 folgender Erlass bekanntgegeben:

„das Tanzen, das Spielen auf Flöten, die Musikgruppen, das zügellose Feiern von Festen und andere Missbräuche während des Besuches einer Heiligen Quelle oder anderen heiligen Orten sind verboten…“

Natürlich wurde diesem Erlass im frühen 18. Jahrhundert von vielen nicht viel Aufmerksamkeit entgegengebracht, selbst den „Penal Laws“ nicht, welche auch folgendes schändliches Gesetz zur Vermeidung des weiteren Wachstums des Papismus enthielten. Es verbot:

„Die Zügellosigkeit und das Versammeln zusammen mit vielen tausend Papisten bei den besagten Quellen und an anderen Orten. Für diejenigen, die sich an den Quellen trafen, wird die Geldstrafe auf 10/- und für alle Verkäufer, die Ale, Lebensmittel oder andere Waren feilboten, auf 20/- festgesetzt. Falls jemand die Strafe nicht bezahlen kann, wird die Geldstrafe in öffentliches Auspeitschen umgewandelt. Es wird allen Friedensrichtern auferlegt, dass sie alle Kreuze, Bilder und Beschriftungen, die irgendwo öffentlich angebracht sind und die Anlass für irgendwelchen papistischen Aberglaube sein können, wieder entfernen lassen müssen.“

Während dieses Gesetz die Verwüstung von den meisten Verschönerungen der Heiligen Quellen und der Schreine verursachte, war es doch wirkungslos in Bezug auf die Unterdrückung der „Pattern Days“, da die Durchführung des Gesetzes von dem lokalen niederen Adel abhing. Während es unter ihnen wenige religiöse Fanatiker gab, die es genossen, das Leben der Gläubigen jämmerlich zu machen, drückten die meisten von dem niederen Adel bei den Sachen ein Auge zu, die in den meisten Fällen ein harmloser lokaler Brauch waren. Folglich konnten die „Pattern Days“ bis in das 19. Jahrhundert hinein florieren.

Thomas Croften Croker gab in seinen „Researches on the South of Ireland“ (Nachforschungen im Süden Irlands) eine detaillierte Beschreibung über die Festivitäten während eines „Pattern Day“ in Gougane Barra wieder. Es handelte sich dabei um das Jahr 1813:

„Nachdem wir unser seelisches Verlangen befriedigt hatten, glaubten wir, dass es notwendig war, unser körperliches Verlangen zu beachten und für diesen Zweck begaben wir uns zu einem Zelt, in dem einige verlockende Scheiben Lachs aus Kerry unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen. In diesem Zelt blieben wir, mit Ausnahme von fast einer halben Stunde, von halb sieben am Abend bis um zwei Uhr am folgenden Morgen, als wir aus Cork wieder abreisten.

Nachdem wir die Vorzüge dieses Lachses diskutiert und wir ihn mit einigen „Beamish & Crawford’s Porter“ (Beamish & Crawford’s Porter ist ein Bier) hinuntergespült hatten, verbrachten wir die Zeit damit, Whisky-Punsch zu trinken, die Tänzer zu beobachteten, die zu der Musik eines hervorragenden Dudelsackspielers tanzten und den Liedern und den Geschichten, die uns auch etwas angingen, zu lauschen.

Als die Nacht hereinbrach, wurde das Zelt beinahe zum Ersticken voll und man konnte das Tanzen nicht mehr in Betracht ziehen. Unser Dudelsackspieler verließ uns, um noch an anderen Orten zu spielen. Ich lernte einen Mann kennen, der in der Miliz von Kerry gedient hatte und der ungefähr fünf Jahre zuvor in Tralee ausgepeitscht worden war. Ein „White-boy“ hatte nun die bedeutende Aufgabe, die Versammlung zu unterhalten (White-boy ist eine von den Verbindungen von armen Katholiken, die überall in Irland um 1760 herum entstanden, vorgeblich, um der „Collection of Thithes“ (den Einzug eines Zehnten (10 %)) Widerstand zu leisten. Die Mitglieder dieser Verbindung wurden auch die „White Shirts“ (weiße Hemden) genannt, die sie bei nächtlichen Raubzügen trugen). Er sang irische Lieder mit einer gewaltigen und kraftvollen Stimme. Er erhielt mit diesen Liedern viel Applaus. Da ich aber der irischen Sprache nicht mächtig war und ich die Bedeutung der Lieder, die soviel Beifall erhielten, nicht verstand, wendete ich mich an eine alte Frau, in deren Nähe ich saß, um sie nach einer Erläuterung oder einer Übersetzung zu bitten. Sie gab sie mir bereitwillig und ich fand, dass diese Lieder im höchsten Grade von rebellischer Natur waren. In den Liedern wurde der alte arme König George ohne Gnade verwünscht, Flüche gegen die sächsischen Unterdrückern von „Banna the Blessed“ (das gesegnete Banna, ein sinnbildlicher Name für Irland) wurden ebenfalls en gros ausgeteilt, die Leistungen von Bonaparte wurden hoch gelobt und die Iren wurden aufgerufen, dem Beispiel der französischen Bevölkerung zu folgen.“

Während der Klerus und später die „Penal Laws“ alles versuchten, um das Feiern des Tages des Schutzheiligen zu unterdrücken, war es doch die Große Hungersnot, die dazu führte, dass der Brauch ausstarb. In seinem 1849 erschienenen Buch „Popular Irish Superstitions“ (der irische Volksaberglaube) zeichnete Sir William Wilde eine schwarze Ansicht von dem Land und der Kultur zu dieser Zeit auf:

„Die alten Arten und ebenfalls die Bräuche fingen an zu verwischen. Die Festivals sind unbeobachtet und die dörfischen Feierlichkeiten wurden vernachlässigt oder gänzlich vergessen – der Kegelsport, die Kuchen, die „prinkums“ (Tanzveranstaltungen der Bauern), fanden nicht oft statt, als der Hungertod und die Seuchen über das Land schlichen. Viele Teile des Landes hatten das Aussehen, als wäre gerade eine zerstörerische Armee über sie hinweg gefegt. So jedenfalls stellten sich zu diesem Zeitpunkt letztendlich die vollständigen Bezirke von Connaught dar. Gesamte Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht, Zäune wurden niedergerissen, das Land wurde nicht bestellt, oftmals wurden die Vorräte geraubt und vielen Meilen Land lagen brach und waren angesichts der fehlenden Menschen, die ansonsten nach ihnen sahen, unproduktiv.“

Nach der Großen Hungersnot führten andere Entwicklungen dazu, dass die alten Bräuche und Traditionen verdrängt wurden. Während der viktorianischen Ära konnten die katholischen Laien, die noch übrig geblieben waren, schnell wieder den Mittelklassenstatus zurückgewinnen. Es war die Zeit, als die viktorianischen „Ehrenhaftigkeit“ die moralischen Gesetze der Heiligkeit übernahmen und viele der alten Bräuche wurden verboten, da sie die Scheinfrommen beleidigten.

Für den Schriftsteller war allerdings noch etwas anderes viel Besorgnis erregender. Viele von den Katholiken begannen damit, die ansehnlichen Verhaltensregeln von ihren protestantischen Nachbarn in sich aufzunehmen, die nicht nur größtenteils Puritaner waren, sondern auch nicht mit den Angelegenheiten und den Bräuchen der Leute vom Land vertraut waren. Im Allgemeinen blieben viele von den Menschen, die die Große Hungersnot überstanden hatten in Irland. Sie zogen es vor, so viel Abstand wie möglich zwischen sich und den alten Weisen zu bringen. Das galt auch für die Massen, die nach Amerika, Australien und in andere Länder überall auf der Welt auswanderten. Die nachfolgenden Generationen fuhren damit fort, die Distanz zwischen sich selbst und dem, was einst anerkannt war als die altmodischen Weisen der Armut, der Unterdrückung und der Unwissenheit des Landes, immer weiter zu vergrößern.

Im Verlauf von wenigen hundert Jahren verschwand viel von der Fröhlichkeit des traditionellen ländlichen Lebens. Das ist eine traurige Tatsache. Mit dem Wiederaufleben des Interesses an allen irischen Dingen, welches mit dem zelebrierten Vertrauen des Landes in die Wirtschaftskraft und in die Zähne des „Celtic Tiger“ kombiniert ist, gibt es einen erneuerten Stolz auf unsere Geschichte und unser Erbe. Bedeutet das, dass wir das Wiedererwachen der „Pattern Days“ wollen? Vermutlich nicht. Allerdings haben wir immer noch „Puck Fair“, das „MatchMaker“ (Ehestifter) Festival in Lisdoonvarna und viele andere Feierlichkeiten, die den alten Traditionen folgen.

Viel wichtiger ist es, dass wir so viel wie möglich über Irlands alten Kulturen und Bräuche lernen. Die Absicht sollte sein, das Wissen zu teilen, so dass wir bald helfen können die Hinterlassenschaften unserer Vorväter für die künftigen Generationen zu bewahren.


Zitat aus: http://www.irishcultureandcustoms.com/ACustom/PatternDay.html; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga