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Lawrence Edward Grace Oates

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Lawrence Edward Grace Oates (* 17. März 1880; † 17. März 1912) war ein britischer Polarforscher. Er war Mitglied des Expeditionsteams der „Expedition Discovery“, das unter Leitung von Robert Falcon Scott 1912 den Südpol erreichte, jedoch feststellen musste, dass sie im Rennen um die Ersterreichung knapp durch den Norweger Roald Amundsen geschlagen worden waren.

Auf dem qualvollen Rückweg durch die weiße Wüste der Antarktis starben alle fünf Mitglieder des Expeditionsteams. Oates war der zweite, der auf dem Rückweg starb.

Als sein Gesundheitszustand sich dramatisch verschlechterte, verließ er mit seinen berühmten letzten Worten

„I am just going outside and may be some time“

das Zelt und wurde nicht mehr gesehen.

Diese Worte, die Scott in seinem später gefundenen Tagebuch festhielt, ließen Oates zu einem Denkmal des typischen englischen Oberschicht Heroen werden, der sich mutig für seine Kameraden aufopferte. Die Wahrheit hinter der Legende ist jedoch etwas anders.

Oates kam im London des Jahres 1880 zur Welt und wurde in Eton erzogen. Militärische Erfahrung sammelte er als Offizier während des britischen Burenkriegs. 1910 bewarb er sich um die Teilnahme an Scotts Expedition zum Südpol. Seine Bewerbung wurde angenommen, weil er Erfahrung im Umgang mit Pferden besaß und in der Lage war, die Expedition finanziell zu unterstützen.

Scott wählte ihn kurzfristig zum Mitglied des fünfköpfigen Teams, das vom Basislager aus den Südpol erreichen sollte. Oates besaß jedoch längst nicht die Erfahrungen, welche die anderen Teammitglieder mitbrachten.

Zwischen Oates und Scott kam es mehrfach zu Konflikten in Fragen zur Expeditionsleitung, und er hielt in seinem Tagebuch fest:

„Myself, I dislike Scott intensely and would chuck the whole thing if it were not that we are a British expedition…. [Scott] is not straight, it is himself first, the rest nowhere…“

(Selbst ist mir Scott äußerst zuwider und ich würde die ganze Sache hinschmeißen, wenn es nicht so wäre, dass wir ein britische Expedition sind…. [Scott]ist nicht aufrecht, er steht an erster Stelle, der Rest nirgendwo…).

Auf dem Rückweg vom Südpol war das Team sehr schnell mit äußerst schlechten Wetterbedingungen konfrontiert worden. Nach dem Tode von Edgar Evans, der bei einem Sturz ums Leben kam, wurde Oates bald zur Last für die anderen. Seine physische Kondition verschlechterte sich so rapide, dass er das Fortkommen des Teams massiv behinderte. Die übrigen drei wollten ihn jedoch nicht zurücklassen, obwohl erkennbar war, dass der Gesundheitszustand von Oates einen Punkt erreicht hatte, von dem aus eine Erholung nicht mehr möglich gewesen wäre und ihre eigene Überlebenschance sich mit jeder Stunde, die Oates sie aufhalten würde, deutlich reduzieren würde. Oates selber brauchte sehr lange, bis er die Notwendigkeit realisierte, sich selbst für die anderen zu opfern. Mit den eingangs zitierten berühmten Worten „Ich gehe mal raus und bleibe vielleicht einige Zeit draußen“ verließ er das Zelt, um im Schnee zu sterben. Seine Geste kam jedoch zu spät. Scott und die übrigen zwei Teammitglieder starben kurz vor dem Erreichen des Nahrungsdepots.

Ironischerweise hätte das Team möglicherweise überlebt, hätte Scott Oates früherem Rat gefolgt, das Nahrungsdepot an einer anderen Stelle anzulegen.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Lawrence_Oates