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Justiciar

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Im mittelalterlichen England und Schottland war der Chief Justiciar (später nur noch Justiciar) in etwa ein Äquivalent zum heutigen Premierminister des Vereinigten Königreichs: des Königs oberster Minister. Der Begriff stammt aus dem mittelalterlichen Latein, wo Justiciarius oder Justitiarius Mann des Rechts oder Richter bedeutet.


England

Im Königreich England bezog sich der Begriff Justiciar ursprünglich auf jeden Beamten am königlichen Hof (Curia Regis) sowie jeden, der einen Gerichtshof besaß bzw. qualifiziert war, als Richter an den Gerichtshöfen der Shires zu handeln.

In jedem Shire war der Sheriff der Vertreter des Königs, der König war der einzige, an den man sich wenden konnte, um Entscheidungen des Sheriffs anzufechten. Der König war jedoch häufig außer Landes (und verstand in den ersten Jahren nach der normannischen Eroberung Englands auch die Sprache seiner Untertanen, so dass ein Justiciar, Regent oder Leutnant (von französisch Lieu tenant, Stellvertreter) ernannt wurde, um den König im Königreich zu vertreten, so wie es der Sheriff im Shire tat.

Der Justiciar war immer eine hoher Adliger oder Kirchenmann, er wurde in seinem Amt schnell einflussreich und wichtig, manchmal so einflussreich, dass er sogar zur Gefahr für den König wurde. Der letzte große Justiciar, Hubert de Burgh, wurde 1231 entlassen, seine Position übernahm bald der Chancellor (Kanzler) als zweiter in der staatlichen Hierarchie nach dem König

Das Amt des Chief Justiciar scheint ab der Zeit des Königs Wilhelm II. bestanden zu haben, als Ranulf Flambard Justiciar war, bis unter Eduard I., das Amt des Justiciars auf die drei Zweige verteilt wurde, in die der königliche Hof nun aufgeteilt war: Richter am Cort of Common Pleas, Richter am Court of King's Bench und Barone des Court of Exchequer.

Die bekanntesten Justiciars waren:

  • Richard de Bienfaite († 1090) und William de Warenne, 1. Earl of Surrey († 1088) 1075 Regenten Englands als Joint Chief Justiciar
  • Ranulf Flambard († 1128)
  • Roger von Salisbury († 1139)
  • Robert de Beaumont, 2. Earl of Leicester († 1168)
  • William de Mandeville, 3. Earl of Essex († 1189)
  • Hubert de Burgh († 1243)


Schottland

In Schottland waren unter den frühen Königen zwei hohe Beamte – einer für das Gebiet nördlich, der andere für das Gebiet südlich des Forth – die Stellvertreter des Königs in der Rechtsprechung und der Verwaltung. Das Amt wurde im 12. Jahrhundert unter König Alexander I. oder König David I. eingerichtet.

Der Titel eines 'Justiciar' war dann für zwei oder drei hohe Beamte reserviert, der oberste – der Justiciar of Scotia – hatte die Rechtsprechung nördlich des Forth unter sich. Der Justiciar of Lothian und der Justiciar of Galloway (ein Amt, das nicht ständig besetzt war) kümmerten sich um den Süden des Königreichs.

Die Rolle des Justiciar mündete in die des heutige Lord Justice-General, dem Oberhaupt des High Court of Justiciary und der schottischen Rechtsprechung und Mitglied des königlichen Haushalts.

Der Herzog von Argyll führt den erblichen Titel eines High Justiciar of Argyll, mit dem jedoch keinerlei Aufgaben verbunden sind.


Andere

Der Titel Justiciar wurde von Heinrich II. an den Seneschall der Normandie verliehen.

Im 12. Jahrhundert trat ein magister justitiarius im normannischen Königreich Sizilien auf, der dem königlichen Gerichtshofs (Magna Curia) vorsaß, und der – mit Unterstützung von Assistenten – unter anderem alle Fälle entschied, die der Krone vorbehalten waren. Es ist denkbar, dass Titel und Amt aus England übernommen worden waren.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Justiciar